Hexahydrocannabinol (HHC) hat in den letzten Jahren als neuartiges Cannabinoid zunehmend Aufmerksamkeit erregt. Dieser umfassende Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung zu HHC, analysiert vorhandene Studien und zeigt Forschungslücken auf.
Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu HHC zu vermitteln und gleichzeitig auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hinzuweisen.
Chemische Eigenschaften und Synthese von HHC
HHC wurde erstmals 1940 durch den amerikanischen Chemiker Roger Adams synthetisiert. Die Verbindung entsteht durch Hydrierung von THC, wobei Wasserstoffmoleküle in die THC-Struktur eingefügt werden.
Dies führt zu einer Sättigung der Doppelbindungen im Cyclohexenyl-Ring. Moderne Herstellungsmethoden nutzen oft CBD als Ausgangsstoff, das zunächst in Δ8- oder Δ9-THC umgewandelt und dann hydriert wird.
Isomere und ihre Bedeutung
Studien zu HHC haben gezeigt, dass die Verbindung als Gemisch zweier Diastereomere vorliegt: 9α-HHC und 9β-HHC. Interessanterweise weisen diese Isomere unterschiedliche psychoaktive Eigenschaften auf, wobei 9β-HHC eine stärkere Wirkung und eine höhere Affinität zu Cannabinoid-Rezeptoren zeigt.
Diese Erkenntnis unterstreicht die Komplexität der HHC-Forschung und die Notwendigkeit, die spezifischen Eigenschaften jedes Isomers genau zu untersuchen.
Pharmakologische Wirkungen von HHC
Rezeptorbindung und Psychoaktivität
Aktuelle Studien zu HHC deuten darauf hin, dass die Verbindung ähnlich wie THC an CB1- und CB2-Rezeptoren bindet, allerdings mit geringerer Affinität. Präliminäre Tierversuche zeigen dosisabhängige Effekte:
Niedrige Dosen könnten anxiolytische Wirkungen entfalten, während höhere Dosen die motorische Koordination beeinträchtigen. Diese Erkenntnisse stehen im Einklang mit Nutzerberichten, die von euphorischen Zuständen, Sedierung oder sensorischer Verstärkung sprechen.
Potenzielle therapeutische Anwendungen
Einige Studien zu HHC haben vielversprechende Ergebnisse in Bezug auf potenzielle medizinische Anwendungen geliefert. Beispielsweise zeigen HHC-Analoga wie LYR-7 und LYR-8 Potenzial als Krebsmedikamente, indem sie Zellproliferation und Angiogenese hemmen.
Zudem weist (9R)-HHC analgetische Eigenschaften auf, was auf eine teilweise CB1-vermittelte psychotrope Wirkung hindeutet. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Forschungsfelder für die Entwicklung von HHC-basierten Therapeutika.
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Welche neuen Studien gibt es zu den psychoaktiven Effekten von HHC
Aktuelle Studien zu den psychoaktiven Effekten von HHC (Hexahydrocannabinol) sind nach wie vor begrenzt, aber einige neuere Forschungsergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse: Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte die "durch Hexahydrocannabinol (HHC) und Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC) gesteuerte Aktivierung des Cannabinoid-Rezeptors 1"1. Diese vergleichende Analyse ist entscheidend, um die spezifischen psychoaktiven Eigenschaften von HHC zu verstehen.Graziano et al. führten in vivo Studien durch, die zeigten, dass beide HHC-Diastereomere (9R-HHC und 9S-HHC) Wirkungen im zentralen Nervensystem haben, jedoch mit geringerer Potenz im Vergleich zu Δ9-THC.
Dabei deutete die Untersuchung darauf hin, dass 9R-HHC potenter sein könnte als 9S-HHC, was auf ein mögliches Suchtpotenzial für dieses Diastereomer hinweist. Eine Studie von Busardo et al. aus dem Jahr 2023 lieferte erste Erkenntnisse zur Pharmakologie, Toxikologie und Analyse von HHC als neue psychoaktive Substanz.
Trotz dieser neuen Erkenntnisse betonen Experten wie Prof. Dr. Volker Auwärter, dass es bislang keine validen Studien zu den Kurzzeit- oder Langzeitwirkungen von HHC gibt. Die verfügbaren Daten weisen jedoch darauf hin, dass insbesondere β-HHC ein psychoaktives Potenzial besitzt, während die cannabimimetische Aktivität von α-HHC deutlich geringer zu sein scheint. Laborstudien an verschiedenen Tiermodellen deuten darauf hin, dass die Wirkung von HHC im Großen und Ganzen der von THC ähnelt.
Bei Rhesusaffen zeigte eine Dosis von 1 mg/kg 9β-HHC i.v. starke Effekte wie Aktivitätsverlust, Ataxie und fehlende Reaktion auf äußere Reize. Es ist wichtig zu betonen, dass relevante Dosis-Wirkungs-Studien am Menschen bisher fehlen. Die genauen pharmakologischen und verhaltensbezogenen Wirkungen von HHC beim Menschen sind daher noch nicht vollständig geklärt.
Welche Unterschiede gibt es in den psychoaktiven Effekten von 9R-HHC und 9S-HHC
Basierend auf den aktuellen Studien und Erkenntnissen gibt es signifikante Unterschiede in den psychoaktiven Effekten von 9R-HHC und 9S-HHC:
9R-HHC:
- Bindet stark an CB1- und CB2-Rezeptoren im Endocannabinoidsystem.
- Erzeugt ausgeprägte psychoaktive Effekte, ähnlich wie Delta-9 THC.
- Hat etwa 75% der Wirkstärke von Delta-9 THC.
- Kann Euphorie, Entspannung und Veränderungen der Wahrnehmung hervorrufen.
- Interagiert aktiv mit dem Nervensystem und induziert psychoaktive Wirkungen.
9S-HHC:
- Hat eine deutlich geringere Affinität zu Cannabinoid-Rezeptoren.
- Zeigt kaum bis keine psychoaktive Wirkung.
- Beeinflusst die Rezeptoren im Gehirn nicht nennenswer.
- Trägt wenig zum Gesamt-High bei HHC-Produkten bei.
Das Verhältnis von 9R-HHC zu 9S-HHC in einem HHC-Produkt bestimmt maßgeblich dessen Gesamtwirkung. Produkte mit einem höheren Anteil an 9R-HHC werden in der Regel als potenter und psychoaktiv wirksamer eingestuft.Es ist wichtig zu beachten, dass trotz dieser Erkenntnisse noch umfassende klinische Studien am Menschen fehlen, um die genauen Unterschiede und Langzeitwirkungen vollständig zu verstehen.
Toxikologische Aspekte und Sicherheitsbedenken
Mangel an Langzeitstudien
Ein kritischer Punkt in der HHC-Forschung ist der Mangel an Langzeitstudien zur Toxizität und Sicherheit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor potenziell hohen Gesundheitsrisiken, da weder akute noch chronische Toxizitätsdaten in ausreichendem Maße vorliegen5. Diese Wissenslücke stellt eine erhebliche Herausforderung für die Risikobewertung und Regulierung von HHC-Produkten dar.
Verunreinigungen und Synthesenebenprodukte
Studien zu HHC haben Bedenken hinsichtlich möglicher Verunreinigungen aus dem Syntheseprozess aufgeworfen. Dazu gehören Palladiumrückstände oder unvollständig hydrierte THC-Derivate2. Diese potenziellen Kontaminanten könnten zusätzliche Gesundheitsrisiken bergen und unterstreichen die Notwendigkeit strenger Qualitätskontrollen bei der HHC-Produktion.
Hepatotoxizität und andere Nebenwirkungen
Eine 2024 veröffentlichte Tierstudie zeigte hepatotoxische Effekte bei Langzeitexposition gegenüber HHC, allerdings ohne klare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Diese Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Lebertoxizität und anderen potenziellen Langzeitnebenwirkungen von HHC.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte und -lücken
Vergleichende Studien mit anderen Cannabinoiden
Ein wichtiger Fokus aktueller Studien zu HHC liegt auf dem Vergleich seiner pharmakologischen Eigenschaften mit denen anderer Cannabinoide. Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte die "durch Hexahydrocannabinol (HHC) und Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC) gesteuerte Aktivierung des Cannabinoid-Rezeptors 1"2.Solche vergleichenden Analysen sind entscheidend, um die einzigartigen Eigenschaften und potenziellen Vorteile von HHC zu verstehen.
Untersuchungen zur Bioverfügbarkeit und Metabolismus
Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich betrifft die Bioverfügbarkeit und den Metabolismus von HHC im menschlichen Körper. Studien zu verschiedenen Applikationsformen (oral, inhalativ) und deren Auswirkungen auf die Absorption und Wirkdauer von HHC sind notwendig, um seine pharmakologischen Eigenschaften besser zu verstehen2.
Forschungslücken und zukünftige Richtungen
Trotz der zunehmenden Zahl von Studien zu HHC bleiben viele Fragen offen. Es fehlen insbesondere:
- Kontrollierte Humanstudien zur Psychoaktivität und Sicherheit
- Langzeitstudien zu chronischen Effekten und Abhängigkeitspotenzial
- Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
- Studien zur Genotoxizität und Reproduktionstoxikologie
Diese Forschungslücken unterstreichen die Notwendigkeit weiterer umfassender Studien zu HHC, um seine Sicherheit und potenzielle therapeutische Anwendungen vollständig zu bewerten.
Regulatorische Herausforderungen und Konsumentenschutz
Rechtliche Grauzone
HHC befindet sich in vielen Ländern in einer rechtlichen Grauzone, da es nicht explizit unter die UN-Drogenkonventionen fällt2. Diese Situation erschwert die Regulierung und Kontrolle von HHC-Produkten und kann zu Sicherheitsrisiken für Konsumenten führen.
Qualitätskontrolle und Produktsicherheit
Angesichts der potenziellen Risiken durch Verunreinigungen und unbekannte Langzeitwirkungen empfehlen Experten strenge Qualitätskontrollen für HHC-Produkte. Das BfR stuft HHC-haltige Lebensmittel als "nicht sicher" ein, was die Notwendigkeit regulatorischer Maßnahmen unterstreicht5.
Zukünftige Forschungsperspektiven für HHC
Therapeutisches Potenzial von HHC
Zukünftige Studien zu HHC sollten sich auf die Erforschung seines therapeutischen Potenzials konzentrieren, insbesondere in Bereichen wie Schmerztherapie und Krebsbehandlung. Die vielversprechenden Ergebnisse zu HHC-Analoga in der Krebsforschung bieten einen guten Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen1.
Verbesserung der Synthesemethoden
Die Optimierung der HHC-Synthese ist ein wichtiger Forschungsbereich, um die Reinheit und Sicherheit der Verbindung zu verbessern. Studien zur Entwicklung effizienterer und umweltfreundlicherer Herstellungsmethoden sind erforderlich3.
Epidemiologische Studien
Angesichts der zunehmenden Verbreitung von HHC-Produkten sind groß angelegte epidemiologische Studien notwendig, um Konsummuster, Missbrauchspotenzial und mögliche gesundheitliche Auswirkungen in der Bevölkerung zu erfassen.
Was sagen die aktuellen HHC Studien?
Die Forschung zu Hexahydrocannabinol (HHC) hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, doch viele Fragen bleiben offen. Während einige Studien zu HHC vielversprechende Ergebnisse in Bezug auf potenzielle therapeutische Anwendungen liefern, mahnen andere zur Vorsicht angesichts möglicher Gesundheitsrisiken. Die Komplexität der HHC-Isomere, die Vielfalt der pharmakologischen Wirkungen und die Herausforderungen bei der Synthese und Qualitätskontrolle unterstreichen die Notwendigkeit weiterer umfassender Forschung.Zukünftige Studien zu HHC sollten sich auf kontrollierte Humanstudien, Langzeituntersuchungen zur Sicherheit und Wirksamkeit sowie auf die Erforschung spezifischer therapeutischer Anwendungen konzentrieren. Gleichzeitig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschern, Regulierungsbehörden und der Industrie erforderlich, um die sichere Entwicklung und Nutzung von HHC-Produkten zu gewährleisten.Die dynamische Entwicklung im Bereich der Cannabinoid-Forschung verspricht spannende Erkenntnisse für die Zukunft. HHC könnte sich als wertvolle Ergänzung zum therapeutischen Arsenal der Cannabinoide erweisen, doch bis dahin ist noch ein weiter Weg zu gehen. Kontinuierliche Forschung und ein verantwortungsvoller Umgang mit den gewonnenen Erkenntnissen sind entscheidend, um das volle Potenzial von HHC zu erschließen und gleichzeitig die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten.
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